GTaktische Zeichen sind ein zentrales Element zur Darstellung von Lagen im Einsatz – ob bei Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei oder Katastrophenschutz. Doch trotz ihrer langen Tradition fehlt es bis heute an einer einheitlichen und verbindlichen Regelung für alle Organisationen im Bereich der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr (BOS). In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die historische Entwicklung, aktuelle Herausforderungen und die Bedeutung taktischer Zeichen im heutigen Einsatzgeschehen.
Ursprung der taktischen Zeichen: Militärische Wurzeln
Bereits im Jahr 1917 wurden erste Standards für taktische Zeichen im militärischen Bereich veröffentlicht. Diese frühen Darstellungen legten den Grundstein für viele später folgende Vorschriften. Im Jahr 1928 erschien mit der Heeres-Dienstvorschrift (DV) 272 „Muster für taktische Truppenzeichen“ ein erster umfassender Leitfaden.
Auch in der ehemaligen DDR wurden taktische Zeichen verwendet – jedoch mit teils deutlich abweichender Symbolik im Vergleich zur Bundesrepublik. Die Unterschiede verdeutlichen die Schwierigkeit, eine einheitliche Symbolsprache zu etablieren.
Von der PDV 102 zur DV 102: Der lange Weg zur Vereinheitlichung
Bis 1995 regelte die Polizeidienstvorschrift PDV 102/DV 102 den Aufbau und die Anwendung taktischer Zeichen für alle BOS. Mit der Umstrukturierung des Zivil- und Katastrophenschutzes zerfiel jedoch die bundeseinheitliche Regelung. Es entstanden Lücken, die bis heute nicht vollständig geschlossen sind.
Ein Entwurf der DV 102 durch die Ständige Konferenz für Katastrophenvorsorge und Bevölkerungsschutz (SKK) im Jahr 1999 – mit Überarbeitung im Jahr 2003 – sollte eine einheitliche Grundlage schaffen. Einige Organisationen übernahmen diesen Entwurf als interne Vorschrift. In der Feuerwehr wurde er vor allem als Lehrunterlage oder Ausbildungshilfe verwendet.
Im Jahr 2010 wurde der Entwurf erneut überarbeitet – unter Berücksichtigung moderner Anforderungen wie Digitalfunk und elektronischer Lagekarten. Eine verbindliche Einführung in allen BOS-Bereichen erfolgte jedoch nicht. Nach Auflösung der SKK im Jahr 2011 kam es zu keiner offiziellen Weiterführung oder Überarbeitung der Vorschrift.
Taktische Zeichen in der Feuerwehr: Nur eingeschränkte Regelung
Für den Bereich Feuerwehr ist derzeit ausschließlich die FwDV 100 verbindlich. In der Anlage 6 dieser Vorschrift sind nur wenige taktische Zeichen offiziell eingeführt. Diese Angaben sind jedoch so rudimentär, dass eine sachgerechte und einheitliche Lagekartenführung erschwert wird. Teilweise stehen die dortigen Angaben sogar im Widerspruch zu den Empfehlungen der SKK.
Zudem gibt es Zeichen mit mehreren Bedeutungen oder unklaren Abgrenzungen – ein Risiko für die Verständlichkeit im Einsatz. Auch die farbliche Kodierung führt zu Problemen, etwa bei gemischten Einheiten aus Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk (THW). Welche Farbe ist hier angemessen?
Ein gemeinsames Ziel, aber keine einheitliche Lösung
Ein wesentliches Ziel taktischer Zeichen ist die organisationsübergreifende Verständlichkeit – eine gemeinsame Sprache im Einsatz. Doch dieses Ziel wird durch uneinheitliche Definitionen, unterschiedliche Farben und konkurrierende Vorschriften konterkariert. Während z. B. die Polizei die Farbe Rot für Gefahren und Störer verwendet, ist diese Farbbedeutung in anderen Organisationen anders belegt.
Im Jahr 2025 wurden neue Empfehlungen veröffentlicht, mit dem Ziel, sie als überarbeitete DV 102 einzuführen. Doch bereits kurz nach Veröffentlichung wurden diese wieder zurückgezogen, da weiterer Überarbeitungsbedarf erkannt wurde.
Fazit: Taktische Zeichen sind unverzichtbar – trotz Regelungslücken
Auch wenn es aktuell keine rechtsverbindliche, organisationsübergreifende Vorschrift für taktische Zeichen gibt, sind sie im Einsatzalltag unverzichtbar. Sie helfen dabei, komplexe Lagen übersichtlich darzustellen, schnelle Entscheidungen zu treffen und die Zusammenarbeit verschiedener Einheiten zu erleichtern.
Was jedoch fehlt, ist eine bundesweit einheitliche Regelung, die alle BOS gleichermaßen berücksichtigt – mit klar definierten Symbolen, Farben und Anwendungsregeln. Nur so kann eine effektive und verständliche Lageführung über alle Ebenen und Organisationen hinweg gewährleistet werden.
Tipp für Leserinnen und Leser: In einem zukünftigen Beitrag werden wir praxisnahe Beispiele und Empfehlungen für den sinnvollen Einsatz taktischer Zeichen vorstellen – insbesondere im Hinblick auf gemischte Einheiten und moderne Lagedarstellungstools.
Download der Empfehlungen
